Bad Alchemy review of ‘The Well For The Thirsty’

Dem Clash mit Merzbow folgt mit The Well For The Thirsty (SONG 20) gleich ein weiteres Statement von Dmytro Fedorenko, nun mit Mads Lindgren als MONOLOG & VARIÁT. Also dem Dänen, der sein Commitment für den Abwehrkampf der Ukraine schon mit „Jern“ (SONG 16) gezeigt hat und seine Handschrift seit gut 20 Jahren mit Releases bei zuletzt meist Subtrakt in Berlin. Die Überschrift, die ‘Purifying the Well’, ‘Resistance to Shal­lowness’, ‘The Origins of the Right’ und ‘Resurrection of Light’ verklammert, rührt her von „Krynytsya dlya sprahlikh“ (A Spring for the Thirsty, 1965) , dem von der Sowjetzensur verbotenen ukrainischen Film nach einem Drehbuch des Poeten und Bürgerrechtlers Iwan Dratsch (1936-2018), der da, ähnlich wie in „Der Tod Schewtschenkos“, Leiden, Durst und Tod konterkariert mit unverhoffter Neugeburt. Dezidiert ukrainische Kunstfilme wie dieser oder „Feuer­pferde“ alias „Schatten der vergessenen Ahnen“ wurden als große Bedrohung für die Nationalitätenpolitik der Sowjets angesehen, vom verpönten magischen Realismus ganz zu schweigen. Den Gräueln der Stalinzeit und der kulturellen Unterdrückung folgte ein Terrorkrieg – and our enemy is still the same, wie Fedorenko bitter konstatiert. Der Imperator wirft Zug für Zug Truppen an die Front, in einen Fleischwolf, der bereits an die 70.000 davon verschlang und eine Viertel­million verwundete. Der zum Himmel stinkende Irrsinn und der von der Weltöffentlichkeit gleichgültig hingenommene Dauerhagel von Kamikazedrohnen hallt wider im Donnern der Trommeln, im Knurren der Kriegsfurie, im Wabern von Gitarrensaiten, im stampfenden Tritt des Molochs. Dem ent­gegen stehen Trauerglocken, grollendes Saitenspiel, Dröhn­wellen und Beats in Moll und in geschlossenen Reihen. Das ‘Recht’ des Stärkeren vergiftet wieder die Brunnen, Krieg erntet Krieg, bis er daran erstickt.

[BA 122, Rigobert Dittmann]

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